Arztbrief? Patientenbrief! Wir erstellen leicht verständliche Entlassbriefe und haben untersucht, wie diese wirken.

Patienten brauchen Informationen. Nur wer gut informiert ist, kann selbstbestimmte Gesundheitsentscheidungen treffen. Im Interesse der allgemeinen Gesundheit und Patientensicherheit braucht unser Gesundheitssystem aufgeklärte, aktiv involvierte Patienten: Gesundheitskompetente Patienten!

Negative Auswirkungen auf Gesundheit und Lebenserwartung, hohe Kosten im Gesundheitswesen – die weitreichenden Folgen der erschreckend niedrigen Gesundheitskompetenz in Deutschland sind in aller Munde. Arzt-Patienten-Gespräche finden häufig unter zeitlichem oder auch emotionalem Druck statt. Bis zu 80 % der Informationen sind bereits wieder vergessen, sobald die Tür des Arztzimmers hinter dem Patienten zufällt. Was er in der Hand hält, sind fachsprachliche medizinische Befunde – für Laien unverständlich und häufig verunsichernd.

Daher sind individuelle, schriftliche, leicht verständliche und qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationen so wichtig.

Bei Was hab' ich? setzen wir uns seit nunmehr acht Jahren dafür ein, dass Patienten ihre medizinischen Befunde verstehen. Auf washabich.de erstellen ehrenamtlich tätige Mediziner kostenlos laienverständliche Übersetzungen. Doch warum sollten Patienten nicht einfach gleich nach jedem Krankenhausaufenthalt einen leicht verständlichen Patientenbrief erhalten?

2.500 Patientenbriefe haben wir von 2015 bis 2018 erstellt und deren Wirkung evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, dass der Patientenbrief wirkt!

Unser Ziel ist es, in naher Zukunft alle Patienten mit einem Patientenbrief zu versorgen. Der Patientenbrief sollte selbstverständlicher Bestandteil eines jeden Entlassprozesses sein. Warum das so ist – und wie es umgesetzt werden kann – lesen Sie in aller Kürze auf dieser Seite oder ausführlich in unserem Ergebnisbericht zum Forschungsprojekt Mehr Gesundheitskompetenz durch Patientenbriefe.

Zusammenfassung

Patienten brauchen verständliche, individuelle und verlässliche Gesundheitsinformationen. Die Patientenbriefe von Was hab' ich? machen dies möglich – kostengünstig, unaufwendig und wirkungsvoll.

Im Krankenhaus werden Patienten oft tage- oder wochenlang professionell betreut. Doch nach ihrer Entlassung fühlen sich viele allein gelassen. Das Entlassgespräch findet häufig unter Zeitdruck statt, viele Informationen werden nicht verstanden oder schnell wieder vergessen. Der Entlassbrief für den weiterbehandelnden Arzt ist in medizinischer Fachsprache verfasst. Dennoch beschäftigen sich Patienten und Angehörige intensiv mit diesem Brief, denn sie wollen ihre Erkrankungen verstehen und selbstverantwortlich informierte Gesundheitsentscheidungen treffen. Dazu benötigen sie aber keinen Arztbrief – sondern einen Patientenbrief!

Der Patientenbrief

Ein Patientenbrief enthält leicht verständliche, individuelle und schriftliche Gesundheitsinformationen. Er ermöglicht dem Patienten, bessere Gespräche mit dem weiterbehandelnden Arzt zu führen, die richtigen Fragen zu stellen und besser informierte Entscheidungen zu treffen. So kann der Patientenbrief die Therapietreue sowie die Gesundheitskompetenz erhöhen und damit auch die Gesundheit des Patienten nachhaltig stärken.

Hände halten Patientenbrief

Das Pilotprojekt

Die Was hab' ich? gGmbH betreibt seit 2011 eine Plattform, auf der fachsprachliche Befunde von ehrenamtlich tätigen Medizinern in eine leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Gleichzeitig entwickelte Was hab' ich? auch ein Konzept zur einfachen Erstellung laienverständlicher Entlassbriefe. Über drei Jahre hinweg wurden in einem Pilotprojekt über 2.500 Patienten mit einem solchen Patientenbrief versorgt. Dieser wurde zusätzlich zum Arztbrief erstellt und enthielt patientengerechte Informationen über das Krankheitsbild, durchgeführte Untersuchungen, Behandlungen und den Medikationsplan. Das Klinik-Personal hatte keinen Mehraufwand.

Die Studie

Kann eine verständliche, individuelle Gesundheitsinformation nach dem Klinikaufenthalt die Gesundheitskompetenz steigern? Im Forschungsprojekt „Mehr Gesundheitskompetenz durch Patientenbriefe“ wurde der Einsatz solcher speziell für Patienten erstellter Briefe getestet. Von November 2015 bis April 2018 erhielten Patienten der Abteilung Innere Medizin der Paracelsus-Klinik in Bad Ems im Rahmen der Studie einen Patientenbrief zusätzlich zum ärztlichen Entlassbrief. Je nachdem ob sie der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeordnet waren, wurde ihnen vor oder nach Versand des Patientenbriefes ein Fragebogen zugeschickt. 417 beantwortete Fragebögen flossen in die Auswertung ein.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Evaluation zum Pilotprojekt zeigen, dass der Patientenbrief wirkt: Er verbessert das Verständnis ärztlicher Informationen und stärkt die Gesundheitskompetenz der Patienten im Bereich der Krankheitsbewältigung. Patienten verstehen dank des Patientenbriefs ihre Diagnosen, Untersuchungen und Medikationspläne besser und gewinnen dadurch Sicherheit im Umgang mit Erkrankungen und Behandlung. So trägt der Patientenbrief dazu bei, die Lücke zwischen stationärem und ambulantem Gesundheitssektor zu schließen. Dadurch können auch Folgekosten, beispielsweise durch Wiedereinweisungen oder Fehleinnahme von Medikamenten, verringert werden. Der Patientenbrief trifft auf eine große Akzeptanz und wird von den Patienten als verständlich, informativ und hilfreich bewertet. Er trägt außerdem dazu bei, dass sich Patienten besser durch die Klinik unterstützt und rücksichtsvoller behandelt fühlen und das Krankenhaus häufiger weiterempfehlen würden.

Ausblick

Um in Zukunft alle Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt mit einem verständlichen Entlassbrief zu versorgen, muss der Patientenbrief massentauglich werden. Als Weiterentwicklung des Pilotprojekts hat Was hab' ich? eine Software entwickelt, die individuelle Patientenbriefe automatisch anhand der Daten im Krankenhaus-Informationssystem erstellt. Die Software soll an jeder Klinik eingesetzt werden können und ermöglicht ohne Mehrbelastung für Ärzte genau das, was auch die Gesundheitsminister fordern: verständliche Patientenbriefe für jeden Patienten.

Download

Die Ergebnisse unserer dreijährigen klinischen Studie haben wir im Juni 2019 als 32-seitigen Ergebnisbericht veröffentlicht.

Ergebnisbericht

Unsere Software zur automatisierten Erstellung wird seit Juni 2019 am Herzzentrum Dresden produktiv eingesetzt und evaluiert. Wie ein solcher automatisiert erstellter Patientenbrief aussehen kann, ist an folgendem Beispiel zu sehen:

Beispiel-Patientenbrief

Patientenbrief in Klinik

Kontakt

Der Patientenbrief ist ein Angebot der Was hab' ich? gemeinnützigen GmbH aus Dresden, die seit 2011 auf der Internetplattform washabich.de medizinische Befunde in eine für Patienten leicht verständliche Sprache übersetzt.

Anschrift: Was hab' ich? gemeinnützige GmbH Theaterstraße 4 01067 Dresden

Kontaktdaten: Telefon: (0351) 41 88 90-0 E-Mail: kontakt@washabich.de

Wissenschaftliche Begleitung: Prof. Dr. med. habil. Antje Bergmann Bereich Allgemeinmedizin Medizinische Fakultät Carl-Gustav-Carus Dresden Web: tu-dresden.de/med/mf/ame/